Presse

Nachruf Heidi Tröster

Ein Glücksfall für Bad Waldsee und die Turngemeinde

Bad Waldsee – Mit Ehrenmitglied Heidi Tröster hat die Waldseer Turngemeinde (TG) am 9. Juni eine ihrer langjährigsten Übungsleiterinnen verloren. Eine große Trauergemeinde nahm auf dem Schorrenfriedhof Abschied von der Sportlehrerin, die im Alter von 72 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben war. Sie hinterlässt Ehemann Rolf sowie drei Töchter mit Familien. Für ihr breitgefächertes Engagement im Sport wurde sie ausgezeichnet von Land, Schwäbischem Turnerbund und TG.

TG-Mitgliedern aller Altersklassen wird die rührige Frau in guter Erinnerung bleiben, weil sie nahezu 40 Jahre lang verschiedenen (Kunst)Turn- und Gymnastikgruppen vorstand. Als sie 1994 aus gesundheitlichen Gründen einen Gang zurückschalten musste, wandte sie sich einer gesundheitsverträglicheren Sportart zu. Mit „Rope Skipping“ – dem Seilspringen mit akrobatischen Elementen – etablierte sie eine neue TG-Gruppe, aus der sogar Landesmeisterinnen hervorgingen. In Bergatreute leitete sie 25 Jahre lang die Konditions- und Skigymnastik. Als Lehrerin verhalf sie Schülerinnen der Döchtbühlschule zu Spitzenplätzen bei Wettbewerben. 2008 zwang sie die Krankheit allerdings endgültig dazu, ihr geliebtes Ehrenamt aufzugeben.

„Es war ein Glücksfall für die Stadt und die Turngemeinde, dass Heidi Tröster mit ihrem Mann Rolf von Langenargen nach Bad Waldsee gezogen ist, weil sich beide sehr, sehr rührig eingebracht haben“, erinnert sich Herbert Forster zurück an das Jahr 1976. In seiner Eigenschaft als TG-Vorsitzender hatte er das Paar für eine Mitarbeit im Verein gewonnen. „Sie hat vor allem Kinder und Jugendliche begeistern können für den Sport“, so Forster dazu. In seiner kurzen Ansprache beim Begräbnis sprach der Ehrenvorsitzende Heidi Tröster für ihr 37 Jahre andauerndes Engagement im Namen der Turngemeinde ein großes Dankeschön aus.

Auch Pfarrer Wolfgang Bertl hatte im Trauergottesdienst zurückgeschaut auf Leben und Wirken Heidi Trösters, die einer Blaubeurer Handwerksfamilie entstammte und sich schon als Kind am wohlsten fühlte zwischen Barren, Reck und Schwebebalken. Über den zweiten Bildungsweg absolvierte sie ihre Ausbildung zur Sportlehrerin. Zusätzlich ließ sie sich zur Landestrainerin des Turnerbundes ausbilden. Bis zur Elternzeit unterrichtete Heidi Tröster als Sportpädagogin an der Berufsschule in Ravensburg, widmete sich dann aber ganz der Familie – und „ihrer“ Turngemeinde. Der Tröstersche Kinderwagen war Symbolbild bei Wettkämpfen in den Waldseer Turnhallen. Darüber hinaus engagierte sie sich als evangelische Kirchengemeinderätin und war als Schöffin tätig in Ravensburg.

In einem SZ-Interview sagte Heidi Tröster im Jahr 2001, als sie ihre Erkrankung zunächst überwunden hatte: „Es war der Sport, der mir die Energie und das Durchhaltevermögen gab, den Kampf gegen meine Krankheit aufzunehmen – und diesen Kampf auch zu gewinnen.“ Als gläubige Christin habe sie immer fest daran geglaubt, „dass Gott es schon richten wird“. Zuletzt war dies nun leider nicht mehr möglich.

Von Sabine Ziegler SZ 23.06.2017